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EMOBÜS - Messung und Kartierung von touristischen Points of Emotion. Das Beispiel Büsum.

Projektbeschreibung

In der touristischen Praxis sind Points of Interest (POI) wesentliche Bausteine für die Erlebnisgenerierung und Orientierung auf Nachfragerseite. POI werden anhand ihres Status (Sehenswürdigkeiten wie Bauwerke, kulturelle Einrichtungen), ihrer Funktion (Gastronomie, Shopping), natürlichen Ausstattung oder schlicht anhand des Besucherinteresses bzw. der bisherigen Besucherfrequenz definiert. Points of Emotion (POE) sind demgegenüber Orte, die anhand der positiven oder negativen emotionalen Reaktion von Touristen definiert werden.

Vor diesem Hintergrund führt das Institut für Management und Tourismus der FH Westküste ein Lehr-Forschungsprojekt durch, das folgende Forschungsfragen beantworten soll:

  • Lassen sich touristische „Points of Emotion“ anhand von Körpersensorik identifizieren und kartieren?
  • Welche Parameter spielen bei der emotionalen Reaktion auf touristische Räume eine Rolle?

Zielsetzungen das mit den Projektpartnern TMS Büsum, dem Tourismusverband Schleswig-Holstein und dem NIT durchzuführenden Projektes sind ein Methodentest in der Kombination von Emotionsmessung, Location-Tracking und Videoaufnahme, die Stärkung des Kompetenzfeldes „Digitalisierung“ sowie die Wissensgenerierung und Beitrag zur „Third Mission.

Primär wird in der Untersuchung die emotionale Reaktion von Probanden anhand eines Sensorbandes (Wristband Empatica E4) gemessen. Gemessen werden elektrodermalen Aktivität (EDA) und Hauttemperatur in Methodenkombination:

  • Messung der Geokoordinaten, Bewegungsgeschwindigkeit und Zeit mithilfe eines GPS-Trackers (QStarz BT-Q1000XT)
  • Video-, Audio- und Blickaufnahme (mobile Eye-Tracking-Brille)
  • Nachträgliche Verbalprotokolle

Hinter den Geokoordinaten, Blick- und Hörfeldaufzeichnungen und Verbalprotokollen verbergen sich eine Reihe von relevanten und irrelevanten Umfeldparametern (z. B. Besuchergedränge, Lautheit, Attraktivität von Blickachsen, Gerüche etc.). Diese müssen vor Beginn der Untersuchung zumindest grob definiert werden, um sie in der Analyse des Zeitstroms berücksichtigen zu können. Es sollen die Emotionen von acht Probanden (Studierende im Studiengang ITM, keine Vor-Ort-Kenntnisse), ausgestattet mit Wristband, GPS-Tracker und Eye-Tracking-Brille, auf ihrem Weg durch Büsum gemessen werden. Die Probanden sollen einen Weg vom Bahnhof Büsum durch die Einkaufsstraße bis hin zum Hauptstrand gehen, ein Eis am Museumshafen essen und über den Ostdeich zurück zum Bahnhof gelangen. Die Auswertung erfolgt explorativ und angelehnt an Bergner et al. (2011), Groß und Wilhelm (2015) sowie an Schoval, Schvimer und Tamir (2017, 2018). Die Geodaten vom GPS-Tracker und die EDA (gemessen in Mikrosiemens (?S)) und Temperatur (gemessen in °C) vom Wristband werden dabei anhand des Zeitstempels synchronisiert. Eine negative emotionale Erfahrung seitens der Probanden liegt bspw. dann vor, wenn die elektrodermale Aktivität zunimmt und kurz danach die Hauttemperatur abnimmt (vgl. Bergner et al. 2011, S. 435). Um das unterschiedliche Niveau der elektrodermalen Aktivität der Probanden zu vereinheitlichen und miteinander vergleichbar zu machen, werden die Werte z-standardisiert (Originalwert abzgl. des Mittelwertes geteilt durch Standardabweichung). Alle Probanden werden vorher in einer Gewöhnungssession in der FHW auf die Eignung für die Untersuchung getestet: Wie bei allen physiologischen Untersuchungen kann es beim Einsatz von Wristbands und Eyetracking-Brillen zu physiologisch bedingten Ausfällen kommen, die im Rahmen dieser Gewöhnungssessions aufgedeckt werden sollen. Damit soll sichergestellt werden, dass tatsächlich bei acht geeigneten Probanden die Test-Daten aufgezeichnet werden können. Die Kartierung erfolgt anhand eines Netzes über die Stadt Büsum, in dem für jede Zelle die Daten pro Proband und in der Aggregation die durchschnittlichen, z-standardisierten EDA-Werte der Probanden dargestellt werden, die die entsprechende Zelle durchschritten haben. Dabei müssen die oben definierten Umfeldparameter als Einflussvariablen berücksichtigt werden. Im Ergebnis entsteht eine emotionale Karte von Büsum, die Zellen mit hohem bzw. niedrigen Stresslevel hervorhebt. Videoaufnahmen und verbale Äußerungen der Probanden erlauben neben der quantitativen Analyse zusätzliche qualitative Insights.

Die Zeitplanung gestaltet sich dabei wie folgt:

  • Probeläufe und Check Datensynchronisation: April/Mai 2019
  • 1. Feldversuch: 06.06.2019
  • Feldphase: Juni/Juli 2019
  • Datenauswertung: September 2019
  • Ergebnislieferung: Oktober 2019